Tone Bechter, unser allseits bekannter Kenner der Heimatgeschichte, hat in seinen Forschungen und Aufzeichnungen folgendes festgehalten:
„Die Jahrtage sind eine lebendige Tradition, die ursprünglich zur Mitfinanzierung der pfarrlichen Ausgaben dienten.
Die Einkünfte für die Pfarre in Andelsbuch bestanden im Mittelalter anfänglich sicherlich zum größten Teil nur aus Naturalien oder aus dem Zehent. Geld kam erst viel später als Einkünfte in Barem dazu.
Die älteste historische Erwähnung einer Jahrtags-Stiftung stammt aus dem Jahr 1610, gestiftet von Landammann Kaspar Fink. Ein Teil der Stiftung wurde dem Mesner für das abendliche Läuten zugesprochen.
1746 werden die sogenannten Fastenjahrtage erwähnt. Diese fanden jeweils an den Montagen in der Fastenzeit statt. In den Stiftungsbriefen ist genau angeführt, ob mit oder ohne Predigt.
1791 wird Franz Beer als Stifter erwähnt. Er dürfte aus der großen Baumeisterfamilie stammen und hat in Andelsbuch eingeheiratet.
1878 erwähnt Pfarrer Müller, dass das Volk sehr an den Jahrtagen hänge.
Die Kirchensteuer wurde erst 1939 von Adolf Hitler eingeführt.
Nach dem Konzil und im Zuge der Kirchen-Modernisierung in den 70er- und 80er-Jahren standen sich Progressive und Konservative in ihren Meinungen gegenüber – es ging darum, die Jahrtage aufzulösen, was auch in weiterer Folge im Bregenzerwald an mehreren Orten geschah.
Schön, dass dieser jahrhundertealte Brauch bei uns noch einigermaßen gepflegt wird.
Ab dem letzten Krieg war das noch mehrere Jahrzehnte eine genaue und aufregende Tradition. Nachbarsfrauen kamen in der Früh in die gewissen Häuser, um sich gegenseitig die Stucho „umzugeben“.
Im Gottesdienst gab es den Opfergang, genau eingeteilt nach Sippe und „Fründschaft“. Vermutlich seit den Schwedenkriegen und dem
Aufstand der Wälderinnen an der Roten Egg durften lange Zeit
die Frauen beim Opfergang vorangehen.
Am Grab wurde der Wachsrodel angezündet,
der mit schwarzem Krepp-Papier schön umhüllt wurde,
damit die Hände nicht mit dem Wachs in Kontakt kamen.
Der Jahrtag war der Sonntag, an dem die Verwandtschaften, Alt und Jung, nach der Kirche zusammenkamen. Öfters waren sie in ihrer alten Stammheimat zum Essen eingeladen, oder die es sich leisten konnten, trafen sich in einem Gasthaus zum gemeinsamen Essen.
Einiges davon ist in Andelsbuch noch erhalten geblieben.
Ich denke, es muss dem Priester auch Freude bereiten, wenn er bei Jahrtagen eine gefüllte Kirche vorfindet. Und wenn dann der Kirchplatz wieder einmal voller Menschen ist, die miteinander kommunizieren, gibt es ein gutes Bild in die Vergangenheit, wo es Sonntag für Sonntag so war…“
Warum bezahlen für den Jahrtags-Gottesdienst? Früher war es üblich, dass die Angehörigen für ihre Verstorbenen eine Hl. Messe „lesen“ ließen. Wie schon erwähnt, dienten die Einnahmen aus diesen Mess-Stipendien der Mitfinanzierung pfarrlicher Ausgaben und dem Lebensunterhalt des Priesters. Die Heilige Messe – die Feier der Eucharistie = Danksagung – war den Menschen damals sehr wichtig und ist es für gläubige Christen bis heute.
Jedoch war in früherer Zeit der Zugang und das Verständnis zur Feier der Eucharistie ein anderer…
Heute steht das christliche Grundanliegen des Teilens im Vordergrund.
In unserer Pfarre wird daher für jeden Jahrtag um eine freiwillige Spende gebeten. Die Spenden werden je nach Interesse der SpenderInnen aufgeteilt und weitergegeben:
+ Hl. Messen (Mess-Stipendien für Gottesdienste in der Pfarrkirche oder weitergeleitet an Priester in der Mission)
+ Patenschaft für Aushilfspriester
+ Pfarre
+ Sozialprojekt Pfarrer Cristian in Rumänien
+ Sozialprojekt Anna-Lena Jäger
Es gibt auch die Spendenmöglichkeit über die KontoNr. der Pfarre:
AT31 3742 3000 0201 6103
Bitte mit vollständigem Namen und Adresse sowie Angabe des Jahrtagtermins und der Verstorbenen (Verwendungszweck)!
Das Grundanliegen des 2. Vatikanischen Konzils ist die „aktive Teilnahme“ des ganzen Volkes Gottes.
Liturgie wird neu gesehen als „Handeln Gottes“ am Menschen, in dem uns Jesus Christus Anteil schenkt an seinem Paschamysterium. Liturgie ist Vollzug des Heilshandelns Gottes und daher auch wesentlich selbst Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen.
„Tut dies zu meinem Gedächtnis“, sagt Jesus beim Mahl, das er am Abend vor seinem Leiden mit seinen Jüngern feiert: Die Eucharistiefeier als Vergegenwärtigung des Kreuzestodes und der Auferstehung Christi.
Nicht erst spätere Quellen, sondern bereits die verschiedenen Schriften des Neuen Testamentes zeigen uns: Die gemeinsame Feier der Eucharistie, das Brotbrechen, war von Anfang an ein Markenzeichen der Kirche.
Im Hintergrund steht das Paschamahl des Volkes Israel. Das Mahl, das uns daran erinnert, dass Gott sein Volk aus Unfreiheit in die Freiheit geführt und ihm eine eigenständige Existenz ermöglicht hat. So erinnert auch die Feier der Eucharistie daran, dass wir durch Jesus Christus aus der Macht des Bösen und des Todes befreit werden in ein neues Leben, das seinen Ausgangspunkt im Tod und in der Auferstehung Jesu hat.
Glaube, Hoffnung, Liebe
Wir Christen dürfen miteinander und füreinander Eucharistie feiern, hoffnungsvoll für Lebende und Verstorbene beten, in Liebe und im Glauben an die Auferstehung unsere Verstorbenen in Gottes Hand geborgen wissen.
Indem wir Leben und Glauben teilen, können wir das Reich Gottes mitten unter uns spürbar und erfahrbar werden lassen.
Rosalinde Metzler